Ein Jahr in Jena = 1000 Jahre Erfahrung

Kurzer Bericht über meinen Aufenthalt in Deutschland

Es war das Jahr 2016. Ich arbeitete als Deutschlehrerin an einer Schule in Wladimir, Russland. Mein Arbeitstag begann um 7 Uhr. Nach Hause kam ich meistens um 20 Uhr. Müde, kraftlos, motivationslos. Keine Energie für etwas Neues, immer dieselbe Routine. Durch Bekannte erfuhr ich über den EFD.  Ich war schon eine ausgebildete Lehrerin, warum sollte ich so was überhaupt versuchen? Doch etwas in mir sagte, es könnte was werden. Meine Mutter war nicht dagegen, sie meinte, es ist nur meine Entscheidung.  Für ein Jahr meinen Lehrerberuf aufzugeben… ich hatte etwas Angst, aber auch ganz viel Neugier und Motivation. Also entschied ich, nach Deutschland zu reisen.

In Jena, in einer kleinen Stadt in Ostdeutschland, angekommen, hatte ich keine Ahnung und sehr viele Fragen – wo werde ich leben? Werde ich mich gut mit Menschen verstehen? Kann ich hier nützlich werden? Bei solchen Fragen kommt man schnell in eine Krise. Zum Glück war mein neuer Wohnort ein großes Haus mit anderen Freiwilligen. Auf meiner Etage wohnten nur Mädchen. Wir machten eine coole WG – mit gemütlichen Abenden in der Küche. Die Freiwilligen aus anderen Etagen kamen dann auch zu uns, um zusammen Zeit zu verbringen. Ich fühlte mich hier langsam wohl.  Es könnte mein neues Zuhause werden.

Doch zurück in den Alltag. Ich kam nach Deutschland als Deutschlehrerin.  Hier in Jena bekam ich auf dem Arbeitsplatz neue Herausforderungen. Der neue Job hatte mit meinem alten gar nichts Gemeinsames. Ich sollte ab jetzt Radiosendungen produzieren, jeden Monat Newsletter verfassen und bei verschiedenen Projekten helfen. Alles auf Deutsch. Andere Kultur. Komplett neue Stadt. Ich war richtig überfordert. Natürlich hatte ich Betreuer, aber trotzdem musste ich innerlich viel überwinden. Die erste Zeit hatte ich einen Kulturschock.

Ich würde gerne weiter alles ausführlich beschreiben, doch ich will die Leser nicht zu sehr mit Details belasten. Ja, es gab Probleme und Schwierigkeiten, aber wer hat sie nicht? Es sollte in meiner Erzählung nicht darum gehen. Ich will nur einen kleinen Überblick über dieses eine Jahr geben und die Highlights nennen.

Mit anderen Freiwilligen bin ich viel gereist. Wir waren in Prag, Nürnberg, Dresden, Weimar, Leipzig. Wir waren sogar zusammen auf einer Schlauchboottour!  Diese Aktivitäten haben uns nähergebracht. In Dresden und Weimar haben wir die Freiwilligen aus anderen Städten kennengelernt. Wir hatten genug Zeit, um uns mit ihnen auszutauschen.  Es waren doch verschiedene Nationen dabei, eine bunte Kulturmischung. Mit einigen halte ich noch Kontakt.

Zum Abschluss meines freiwilligen Jahres habe ich mir Urlaub genommen und bin mit meinen Freunden nach Slowenien gefahren.  Es war ein sehr großes Abenteuer, wir haben auf der Rückfahrt an einem Tag drei Länder besucht und mehrere deutsche Bundesländer. Wir haben uns fast verloren! Umso größer war meine Freude nach Jena zurückzukommen. Diese Stadt wurde für mich ein zweiter Heimatort. Hier sind meine neuen Freunde, hier habe ich so viele schöne und glückliche Momente erlebt, hier habe ich besondere Erfahrungen für mein Leben bekommen.

Ich würde sagen, dass ich von diesem Projekt die Motivation bekommen habe, mich weiterzubilden und in meinem Beruf besser zu werden. Was ich noch hier schreiben will, ist die Sache mit der deutschen Sprache. Ich bin der Mensch, der Sprachen gerne lernt. Ich hatte eine wunderbare Möglichkeit hier in Jena mein Deutsch zu verbessern! Klar, unter Volontären hat man oft auf Englisch geredet. Aber im Alltag habe ich so oft geübt!

Zum Schluss möchte ich allen danken, die ich seit September 2016 kennengelernt habe! Danke für die tollen Momente, für die lustige Zeit, die wir hatten!  Dieses Jahr war für mich ein definitiver Level-Up! Natürlich will ich den zukünftigen Freiwilligen sagen, dass die Zeit im Projekt schnell laufen wird. Genießt den Moment, bringt was mit, tauscht eure Erfahrungen aus, lernt neue Sprachen!

-Uliana Chkalova (2016-2017)

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